{"id":1292,"date":"2025-02-11T21:07:21","date_gmt":"2025-02-11T19:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.magister-montium.de\/?page_id=1292"},"modified":"2025-02-11T21:07:21","modified_gmt":"2025-02-11T19:07:21","slug":"wichtige-bedingungen-fuer-den-erfolgreichen-betrieb-einer-grube","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.magister-montium.de\/?page_id=1292","title":{"rendered":"Wichtige Bedingungen f\u00fcr den erfolgreichen Betrieb einer Grube"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung zu Georgius Agricola:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIn Bezug auf die angewandten Technologien im eigentlichen Bergbaubetrieb d\u00fcrfte heute bereits ohne Zweifel erwiesen sein, dass die weit verbreitete Auffassung, die in Georg Acricolas Standardwerk \u201eDe re metallica\u201c im Jahre 1556 enthaltenen Darstellungen seien auch f\u00fcr das Mittelalter repr\u00e4sentativ, nicht zutrifft.\u201c\u2028(Museumsf\u00fchrer Bergbaumuseum Bochum).<\/p>\n<p>[<em>Interessant w\u00e4re hier, welches Wissen bei den r\u00f6mischen Bergleuten vorhanden war und ob\/wie es weiterentwickelt wurde. Oder r\u00fcckw\u00e4rts: welche der Kenntnisse Agricolas waren bereits im 12. und 13. Jahrhundert vorhanden?<\/em>]<\/p>\n<p>Auch, wenn Agricola eindeutig keine Person des Mittelalters war, ist doch das Wissen und die Denkweise sehr interessant, deshalb hier stichpunktartig die \u201eBedingungen zum erfolgreichen Betrieb einer Grube\u201c:<\/p>\n<p>Agricola beschreibt in seinem \u201eDe re metallica libri\u201c:\u2028\u201eBevor der Bergmann G\u00e4nge zu bauen beginnt, mu\u00df er siebenerlei beachten: Erdoberfl\u00e4che, Erdoberfl\u00e4chenbeschaffenheit, Wasser, Wege, Klima, Landesherrschaft, Nachbar.\u201c<\/p>\n<p>1. Erdoberfl\u00e4chen:<\/p>\n<ul>\n<li>die g\u00fcnstigsten sind sind Berge und H\u00fcgel, weil in sie Stollen f\u00fcr den Abfluss des Wassers getrieben werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>es soll nur in mit anderen verbundenen und zusammenh\u00e4ngenden Bergen gesch\u00fcrft werden<\/li>\n<li>die mittelgro\u00dfen Berge sind besser als die ganz gro\u00dfen oder ganz kleinen<\/li>\n<li>an steilen H\u00e4ngen sollte nur gesch\u00fcrft werden, wenn dort Erzg\u00e4nge erkenntlich sind<\/li>\n<li>H\u00fcgel sind &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur geeignet, wenn sie zwischen Bergen liegen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eDer Bergmann gr\u00e4bt nicht in Talkesseln, auch nicht in den weiten T\u00e4lern, falls nicht unterhalb eine Niederung liegt oder ein Erzgang vom Berg hinab ins Tal streicht.\u201c<\/p>\n<p>2. Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit<\/p>\n<ul>\n<li>ideal ist, wenn es bei oder \u201e\u00fcber\u201c der k\u00fcnftigen Grube Wald gibt<\/li>\n<li>gibt es keinen Wald, sollte ein Fluss in der N\u00e4he sein, auf dem Holz hergefl\u00f6\u00dft werden kann<\/li>\n<li>bei Aussicht auf Gold oder Edelsteine kann auf Holz verzichtet werden; Edelsteine m\u00fcssen nur geschliffen und Gold gel\u00e4utert werden, daf\u00fcr ist kein Holz notwendig (oder zumindest keine gro\u00dfen Mengen)<\/li>\n<li>in der Umgebung sollte ein st\u00e4ndig flie\u00dfendes Wasser vorhanden sein; es dient f\u00fcr den Antrieb der K\u00fcnste (Wasserr\u00e4der u. \u00e4.). Eine fehlende oder unzuverl\u00e4ssige \u201eEnergieversorgung\u201c erh\u00f6ht die Kosten und ist damit ein Investorenproblem.<\/li>\n<\/ul>\n<p>3. Wege<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eDenn die an nutzbaren Mineralien reichen Orte liefern sehr oft keine Ackerfr\u00fcchte, und somit muss alles zum Lebensunterhalt f\u00fcr die Arbeiter und die anderen Leute n\u00f6tige zugef\u00fchrt werden.\u201c \u2028Schlechte Wege seien weniger ein Problem der Besch\u00e4ftigen, sondern eher eins der Investoren. Da diese aber die erh\u00f6hten Kosten auf die Arbeiter abw\u00e4lzen (schlechtere Bezahlung), bestehe die Gefahr, dass die Arbeiter abwandern.<\/p>\n<p>4. Klima<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Der Bergmann solle darauf achten, dass ein gesundes Klima herrscht. Hier weist Agricola bereits auf gesundheitssch\u00e4digende Arbeitsbedingungen durch giftige Gase oder andere Luftschadstoffe hin!<\/p>\n<p>5. Landesherrschaft<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eIn einer unter Tyrannenherrschaft stehenden Landschaft legt ein Bergmann keine Baue an.\u201c<\/p>\n<p>6. Nachbarn<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Schlechte Nachbarschaft birgt die Gefahr von Raub\u00fcberf\u00e4llen. Ansonsten weist Agricola auf das notwendige gute Nebeneinander verschiedener Gruben und deren Personal hin, auf die Pflicht des Bergmeisters, die Grenzen sauber abzustecken, sowie auf die Pflicht des Bergmanns, nur innerhalb seiner Markscheiden zu graben.<\/p>\n<h4>Auf welche Art suchten die Bergleute nach Rohstoffen?<\/h4>\n<p>Das Waschen von (Flu\u00df)sanden war sowohl eine Erzeugungs- als auch eine Suchmethode.\u2028\u201eDer Bergmann w\u00e4scht zuerst die sande des Quells, dann die des aus ihm entstandenen Bachs und dann die des Flusses, in den der Bach m\u00fcndet.\u201c<\/p>\n<p>Quellwasser kosten und Farbe bestimmen, um Rohstoffe wie Salz, Soda, Alaun, Vitriol und Bitumen (Erdwachs) zu kommen.<\/p>\n<p>Laut Agricola sollen zuerst die Umgebungsbedingungen (s. o.) gepr\u00fcft werden. Ist ein geeignetes Gel\u00e4nde f\u00fcr eine Grube vorhanden, soll mit den folgenden Methoden nach Vorkommen gesucht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>offen liegende G\u00e4nge, durch Erdrutsche, Pfl\u00fcgen, Waldbr\u00e4nde<\/li>\n<li>Quellen sind nicht weit von G\u00e4ngen entfernt<\/li>\n<li>Frisch entstandene Ganggeschiebe in Wildb\u00e4chen. Die Geschiebe m\u00fcssen im Boden stecken oder rauh sein. Dabei m\u00fcssen die Bodenverh\u00e4ltnisse ber\u00fccksichtigt werden<\/li>\n<li>In der k\u00e4lteren Jahreszeit entsteht Reif \u00fcberall auf den Gr\u00e4sern, aber nicht dort, wo ein Gang drunter ist<\/li>\n<li>Gr\u00e4ser oder B\u00e4ume mit Wuchsanomalien, besonders dann, wenn es mehrere B\u00e4ume betrifft oder Grasfl\u00e4chen\/-streifen diese Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten zeigen<\/li>\n<li>Kr\u00e4uter oder Pilze, die auffallend auf einer Linie wachsen<\/li>\n<li>die W\u00fcnschelrute war wohl damals schon umstritten, die Bef\u00fcrworter nahmen Haselholz (bevorzugt \u00fcber einem Gang gewachsen), andere benutzten unterschiedliche Ruten abh\u00e4ngig vom gesuchten Erz.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt ist dann das Ziehen von Sch\u00fcrfgr\u00e4ben (einer oder mehrere), bis der Ausbi\u00df eines Ganges entdeckt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung zu Georgius Agricola: \u201eIn Bezug auf die angewandten Technologien im eigentlichen Bergbaubetrieb d\u00fcrfte heute bereits ohne Zweifel erwiesen sein, dass die weit verbreitete Auffassung, die in Georg Acricolas Standardwerk \u201eDe re metallica\u201c im Jahre 1556 enthaltenen Darstellungen seien auch f\u00fcr das Mittelalter repr\u00e4sentativ, nicht zutrifft.\u201c\u2028(Museumsf\u00fchrer Bergbaumuseum Bochum). 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